Der Biologische Eigenknochenaufbau (BEKA)

In gut 50 Prozent aller Implantationen ist ein vorheriger Knochenaufbau nötig. Dieses Material kann aus Fremdmaterialien gewonnen werden (in der Regel Rinderknochen, Leichenknochen oder synthetisches Granulat). Allerdings kommt es beim Einsatz dieser Materialien häufig zu einer Abstoßungsreaktion durch den Körper. Zudem besteht eine erhöhte Gefahr von Infektionen oder einer Peri-implantitis. Dies ist für den langfristigen Erfolg der Implantatbehandlung nicht hilfreich. Nur wenn das Implantat in gut durchblutetem und vitalem Knochen steht, kann durch die weißen Blutkörperchen ein gewisser Selbstschutzmechanismus erhalten werden. Außerdem verfügen die genannten Knochenersatzmaterialien nur über einen rein osteokonduktiven Charakter, d.h. dieses Material fungiert lediglich als Gerüst, in den der Knochen wachsen kann aber nicht muss. Hinzu kommt, dass viele Patientinnen und Patienten einem Einsatz von Knochen aus Fremdmaterialien kritisch gegenüber stehen.

Doch es gibt glücklicherweise eine Alternative, die biologisch einwandfrei, naheliegend und sogar stimulierend ist: der Einsatz von Eigenknochen. Der menschliche Körper verfügt in der Regel über ausreichendes Knochenmaterial im Mundbereich. Gerade im Kieferwinkelbereich besteht sogar ein Überschuss an Knochensubstanz. Das hat die Ursache, dass hier der große Kaumuskel ansetzt, das heißt wir haben hier eine funktionale Belastung für den Knochen und daher einen Überschuss an Knochenmaterial. Wir können uns diese Tatsache zunutze machen und von dieser Stelle patienteneigenen Knochen sozusagen „borgen“. Der Knochen bildet sich normalerweise an dieser Stelle wieder komplett oder nahezu komplett nach.

Vitale Knochenzellen zeigen ein wesentlich besseres Regenerationspotential und Anwachsverhalten als Knochenersatzmaterialien. So können Abstoßungsreaktionen weitgehend ausgeschlossen werden. Es handelt sich bei Eigenknochen um ein sehr potentes Gewebe, das vital ist und über eine sogenannte osteoinduktive Funktion verfügt, sprich: der Knochen induziert nach dem Verpflanzen die Neubildung von Knochen (Osteoinduktion). Auch langfristig zeigt der Eigenknochen die besten Resultate dadurch, dass er nach dem Anwachsen den Ursprungszustand annimmt und nicht mehr von anderem Knochen zu unterscheiden ist. Knochen ist das einzige Gewebe, das nach dem Heilungsprozess wieder komplett seinen Ursprungszustand annimmt. Anders als es beispielsweise bei Weichgewebe der Fall ist, das nach der Heilung an dieser Stelle dann Narbengewebe aufweist.

Der patienteneigene vitale Knochen verfügt über Wachstumsfaktoren (sogenannte BMPs), die ihm erlauben, neue Gefäße zu bilden (Osteogenese) und aktiv die Knochenneubildung in diesem Bereich voranzutreiben. Wir sprechen bei Eigenknochen auch vom sogenannten „Goldstandard“:

  • Das körpereigene Knochenmaterial ist auf ideale Weise dazu geeignet, Knochenwachstum anzuregen
  • Abstoßungsreaktionen sind weitgehend auszuschließen
  • Der sogenannte autologe (patienteneigene) Knochenaufbau ist gut zu planen und zeigt vorhersagbare Ergebnisse
  • Die Behandlung lässt sich zuverlässiger planen

Der Biologische Eigenknochenaufbau (BEKA) eignet sich insbesondere bei großen Defekten, wenn z.B. ein Knochenaufbau bei einem schmalen Kieferkamm benötigt wird oder in Fällen, in denen wir die Höhe des Kieferkamms wieder rekonstruieren müssen. Aber auch bei kleineren knochenaufbauenden Eingriffen haben wir mit dem Biologischen Eigenknochenaufbau die Möglichkeit, unser Implantat im wahrsten Sinne des Wortes auf ein sicheres Fundament zu stellen.

Als Patient sollten Sie sich dieser Möglichkeiten bewusst sein, und gezielt nach Behandlungszentren Ausschau halten, die mit dem Biologischen Eigenknochenaufbau vertraut sind.